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Adelaide – Kaiserwetter lockte heuer knapp
29.000 Besucher von nah und fern zum zweitägigen Adelaider
Schützenfest: Besucherrekord für das bereits als größtes Volksfest
der südlichen Hemisphäre bekannte Spektakel. Je nach Sichtweise,
ob „Kulturereignis“ oder „Ess- und Trinkfest“, ist die
Großveranstaltung des „Süd-Australischen Allgemeinen
Deutschen Vereins (SAADV)“ doch stets ein deutsch-australisches
Unikum mit vielen Facetten und Suchtfaktor. ABC, Seven, Nine und NDR berichten
deshalb in ihren Fernsehsendungen über das Schützenfest,
welches auch in diesem Jahr mit bewährten und neuen Programmpunkten
den Geschmack des zumeist jungen Publikums traf.
Bereits das letztjährige Adelaider Schützenfest brach alle Rekorde
(die WOCHE berichtete).
Doch mit dem diesjährigen Erfolg hatte zuvor
selbst die neue Koordinatorin Christina McFarlane nicht
gerechnet. Das Fest mit seiner einmaligen Kombination aus
kulinarischen, kulturellen und musikalischen Angeboten findet
nämlich immer an nur zwei Nachmittagen in der zweiten Januarwoche statt und
dauert lediglich bis Mitternacht. Einlass ist am ersten Tag, einem Freitag, erst
ab 16 Uhr, am zweiten Tag, Samstag, ab Mittag.
Ließ in diesem Jahr der Freitagnachmittag noch keinen Rekord vermuten, so
strömten am Samstag fast 18.000 Menschen zum Bonython Park. Die
Temperaturen waren auf etwa 30 Grad gesunken und bei strahlend blauem
Himmel wehte ein angenehm kühlendes Lüftchen.
Zum Auftakt gab es erstmals unter musikalischer Begleitung der südaustralischen
Polizeikapelle einen farbenfrohen Umzug kostümierter Mitglieder der
zwanzig Gruppen des SAADV.
Beim Marsch über das Gelände des Bonython Parks wurden
auch Fahnen der 16 deutschen Bundesländer gezeigt, die dann ihren Platz im
Zelt „German Links in SA“ fanden. Dort präsentierte sich erstmals ein
Bundesland, das Saarland, mit eigenem Informationsstand.
Zudem wurde von zehn Sängern des „Chanty“-Chors, Mitglieder der
„Adelaider Liedertafel 1858“
des SAADV, unter musikalischer Begleitung von Entertainer Herbert Stauber vor laufenden
Kameras die Ode an Australien
„Wo die Südseewellen“
uraufgeführt. Der NDR zeichnete dies auf für die deutsche Fernsehsendung
„Platt im Ausland“. Wegen der überaus positiven Resonanz wird das
Lied demnächst auf CD erscheinen.

An der Eröffnung nahmen wieder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
teil, darunter Michael Atkinson, Attorney General of South Australia und
Minister for Multicultural Affairs, und die frühere Bürgermeisterin von
Hahndorf, Ariane Kiermeier. Hieu Van Le, Chairman of the Multicultural and Ethnic
Affair Commission, hob in seiner teils in Deutsch gehaltenen Ansprache die Rolle
des Beitrags der deutschsprachigen Gemeinschaft und ihrer Nachkommen
für Südaustralien hervor. Mit Blick auf die Bühnen und Zelte von Coopers,
DAB und Jägermeister meinte Van Le in Referenz an das dem Reformator
Martin Luther zugeschriebene Zitat: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang/Der bleibt
ein Narr sein Leben lang“, Luther hätte wohl das Bier vergessen.
Der Unterhaltungsmix für Jung und Alt reichte von Musik (Darbietungen:
Accordion
Group „Elite“,
Adelaide German Band,
City of Mitcham Band, Jägermeister Band sowie Klemzig Oompah Band) über Tanz
(Bavarian Dancers und
German Folkdance Circle)
bis hin zu Sport (Classical Japanese Swordsmanship und
Fencing Group).
Beim zweitägigen Luftgewehrschießen erhielten die besten Schützen in
drei Kategorien Pokale und Medaillen aus den Händen von Dr Ian
Harmstorf OAM BVK, Historiker und Vorsitzender des SAADV. Das „Offene
Schießen“ gewann der Sieger von 2006 und Zweiter in 2007, David Westley vom
Reynella Air Rifle Club vor Michael Nicholas von der
Schützengruppe des SAADV.
Als Drittplatzierter ging Peter van den Hout aus dem Wettbewerb hervor.
Schützenkönigin wurde Debbie Dennert von der Schützengruppe des SAADV gefolgt
von Catherine Heading und Eva Mellors. Schützenkönig 2008 darf sich Aaron Draxler
bezeichnen, der vor Rowan Wilkinson und Ron Kennart den Wettstreit für sich entschied.
Tausende wohnten dem traditionellen Maßkrugstemmen der Frauen
und der Männer auf der Freilichtbühne bei. Coopers hatte jeweils wieder
500 Dollar gestiftet. Moderiert von Dieter Fabig OAM BVK, PR-Beauftragter des
Schützenfestes sowie Hörfunkmoderator der
„Deutschen Stimme“
auf 5EBI 103.1 FM, und unterstützt von „Schützi Fritz“, seit
2005 das offizielle Maskottchen des Festes, standen nach drei doppelten Durchgängen
die Gewinner fest. Bei den Frauen kassierte Vorjahressiegerin
Belinda Meier das Preisgeld. Bei den Männern lieferten sich der Sieger von 2005,
Dave „Fish“ Kernohan, und 2006, Rocco Hocking, schnell ein Kopf-an-Kopf-Rennen,
das Hocking dann für sich entschied.
Renner bei den Souvenirjägern waren der Bier Stein-Hut, der Wikinger-Hut und der
2008er Maßkrug. Auf der offiziellen Website www.schutzenfest.com.au war auch
frühzeitig Information über alle Andenken abrufbar. Obschon
nach dem Ausverkauf sämtlicher Schützenfest-Maßkrüge in 2007 in
diesem Jahr nachgelegt worden war, hieß es am späten Samstagabend erneut,
dass alle 15.350 der begehrten 2008er Maßkrüge ausverkauft waren.
Nachzügler konnten dann nur noch Maßkrüge älterer Jahrgänge
erstehen.

Zwischen den Specials sangen, tanzten und feierten die meist zwischen 20 und
40 Jahre alten Besucher ausgelassen an den 44 Ständen, drei
Großzelten, zwei überdachten Großtribühnen sowie vor der
Freilichtbühne. „Einfach phänomenal“, wie beispielsweise
Detlef Bußmann fand. Für den Deutschen war es nach 2007 der zweite
Besuch. Das
letztjährige Schützenfest hatte ihn so begeistert, dass er
eigens für das diesjährige wieder aus Deutschland anreiste, denn „man
wird sofort gut aufgenommen, integriert, und die Stimmung ist wunderbar,
familiär.“
Die Großzelte des Schützenfestes beherbergten wieder zahlreiche
„Stammtische“. Beispielsweise hat seit Jahren die von Eddy Zerbin geleitete
Fußballmannschaft Alemannia Richmond des Tivoli Club Melbourne ihren
Stammtisch im DAB-Großzelt. Dort tritt abends Herbert Stauber von der
„Austrian Association of South Australia“ auf und hält das Zelt
bis Mitternacht in Schwung. Zum Stammtisch der Alemannen gesellte
sich in diesem Jahr zudem Ludger Heidelbach, Chefredakteur der WOCHE.
Unter den Angeboten waren auch einige speziell für Familien. In der „Kids
Zone“ etwa unterhielten „Punch and Judy“. Die Kleinen konnten sich
zudem auf einer Hupfburg vergnügen. Des Weiteren begeisterten den
Nachwuchs im DAB-Großzelt wieder die Ticklish Allsorts.
Die Wandtafeln und Büchertische der „Deutschen Nachkommensgruppe“
des SAADV im Zelt „German Links in SA“ waren von Beginn an auch
Anlaufpunkt vieler an Genealogie Interessierter. Unter sachkundiger
Mithilfe von Gruppenleiter Max Otto konnte so etwa Brian Grossmann Spuren seines
Ur-Urgroßvaters Ewald Ferdinand Gotthilf Groszmann nachvollziehen, der
1841 Züllichau in Preußen Richtung Australien verlassen hatte.
Trotz des Andrangs und langer Schlangen an den Bierzelten gab es keine
nennenswerte Zwischenfälle. Deshalb zeigten
sich über den durchweg friedlichen Verlauf sowohl die Polizei und die
Sicherheitskräfte der Weslo Guards als auch Elke Pfau, Vorsitzende
des Schützenfest
Komitees, hoch erfreut.
Dabei hatte der Aufbau erstmals wegen plötzlicher Lieferprobleme beim Mobiliar
unter hohem Zeitdruck erfolgen müssen: An nur fünf Tagen
bewältigten zwanzig Freiwillige von 7 bis 22 Uhr bei teils 40 Grad
Hitze klaglos das Arbeitspensum, das sonst auf neun Tage verteilt ist. Ins Herz
geschlossen haben die ehrenamtlichen Helfer dabei besonders Penny,
die dreijährige Hündin von Frau Pfau. Der Australian Sheppard ist seit 2006
der „Ground Marshall“ des Schützenfestes, steigerte heuer mit seiner
Gegenwart den Eifer und wird nun von allen als Glücksbringer
angesehen.

Das hohe Engagement der ehrenamtlichen Helfer speist sich auch aus so manchem
familiären Band. So ist es in der Familie des ehemaligen SAADV-Vorsitzenden
Günter Pratz „Tradition“, dass jedes Jahr ein anderes Familienmitglied
aus Deutschland beim Schützenfest mithilft. Diesmal war es Neffe Sebastian Pratz,
der sich nach seinem Abitur derzeit auf einer fünf Monate dauernden kleinen
Weltreise befindet. Diese führt ihn von der Ostküste Australiens
über den Süden des fünften Kontinents noch nach Singapur, Malaysia,
Thailand und Vietnam. Sebastian empfand den Zeitdruck beim Aufbau nicht als
Stress. Ausgleich war für ihn auf dem Schützenfest die „gelungene
Mischung“ bei der Unterhaltung sowie die abends auftretenden Bands.
So sorgten im Coopers Großzelt und auf der Freilichtbühne Club Schmaltz,
Former Child Stars, Sharp Dressed Man, Special Patrol, The Elderly Brothers, The
Fraud Millionaires, TripleScore sowie Wasabi für Riesenstimmung.
In der Gesamtschau können dieser interkulturelle Unterhaltungsmix gepaart mit der
an den trocken-warmen Abenden ebenfalls anzutreffenden „Heiterkeit“
eine Erklärung sein für die weiter steigende Attraktivität des
Adelaider Schützenfestes.
Olaf Konstantin Krueger
DIE WOCHE in Australien, 51. Jg., Nr. 4/2008,
Dienstag, 22. Januar 2008, S. 12—13

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